
Konjunkturindikatoren
KOF-IHP und SECO-WAI im Vergleich
Der KOF-IHP ist ein wöchentlicher BIP-Indikator für die Schweiz.
Warum den KOF-IHP und den WAI des SECO vergleichen
Der KOF-IHP ist ein wöchentlicher Indikator für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Schweiz. Der vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) veröffentlichte Wöchentliche Aktivitätsindex (WAI) verfolgt die aktuelle Entwicklung der Schweizer Wirtschaft; er korreliert stark mit dem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts.
Im Frühjahr 2020 haben die meisten traditionellen makroökonomischen Indikatoren die starke wirtschaftliche Abkühlung weder präzise noch rechtzeitig erfasst. Dies führte zum Einsatz von Hochfrequenz-Monitoring und alternativen Daten, wie etwa Kreditkartentransaktionen.
Keiner der beiden Indikatoren ersetzt die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung. Das SECO veröffentlicht die vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen rund 60 Tage nach Ende des Quartals und das experimentelle Flash-BIP rund 45 Tage danach. Die wöchentlichen Indizes bleiben Frühindikatoren, die mit dieser offiziellen Messgrösse abgeglichen werden müssen.
Der KOF-IHP: Ein wöchentliches BIP aus alternativen Daten
Der KOF-IHP wird vom KOF, einem Institut der ETH Zürich, entwickelt. Er stützt sich auf Daten, die in der Konjunkturforschung wenig genutzt werden: Kreditkartenumsätze, Bargeldbezüge, Energieverbrauch, Volumen des Individual- und öffentlichen Verkehrs, Mobilität sowie Internetsuchanfragen.
Bei der Konstruktion wird ein gemeinsamer erklärender Faktor aus den verfügbaren Hochfrequenzzeitreihen extrahiert. Diese Kennzahl wird anschliessend skaliert, um mit den BIP-Wachstumsraten einer Referenzperiode konsistent zu sein.
Diese Quellen erschweren die statistische Interpretation: Oft fehlen Beobachtungen, Veröffentlichungen erfolgen unregelmässig oder verspätet, und Erhebungen finden in täglichen, wöchentlichen oder monatlichen Intervallen statt.
Zudem ist unklar, inwieweit diese Indikatoren unter normalen Bedingungen mit der Wirtschaftstätigkeit korrelieren. Viele dieser Daten werden erst seit Kurzem erhoben.
Die hohe Frequenz hat ihren Preis: Hochfrequenzindikatoren schenken den traditionellen makroökonomischen Daten oft weniger Beachtung. Ihre Konstruktion basiert daher weitgehend auf jüngeren und wenig dokumentierten Zeitreihen.
Der WAI des SECO: Die Woche als Leseeinheit
Der WAI ist eine experimentelle Statistik des SECO. Er beruht auf täglichen oder wöchentlichen Indikatoren und gilt als stark mit dem BIP-Wachstum korreliert.
Das SECO nennt zwei Beispiele für die Interpretation: Für eine Kalenderwoche bedeutet ein Indexwert von 1,0, dass die wöchentliche Wirtschaftstätigkeit 1,0 % über derjenigen derselben Woche im Vorjahr liegt.
Ein Durchschnittswert von 2,0 über ein Quartal hinweg impliziert ein Wachstum des realen, saison-, kalender- und sportereignisbereinigten BIP von 2,0 % gegenüber dem gleichen Quartal des Vorjahres.
Revisionen der Basisdaten führen zu Revisionen des Index; auch Anpassungen der Berechnungsmethode sind möglich. Der Index erscheint periodisch, wobei das Publikationsdatum variieren kann.
Was die beiden Indikatoren unterscheidet
Beide Indizes messen indirekt dasselbe: die Entwicklung der Schweizer Wirtschaftstätigkeit auf Basis von Hochfrequenzzeitreihen. Keiner von beiden ist eine direkte Berechnung des BIP, das weiterhin durch die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung ermittelt wird.
Der institutionelle Status ist unterschiedlich. Der KOF-IHP stammt vom KOF, einem universitären Institut der ETH Zürich; der WAI wird vom SECO als experimentelle Statistik im Rahmen des Schweizerischen Statistischen Systems veröffentlicht.
Unterschiede bei Schätzung und Interpretation zwischen Hochfrequenzindikatoren ergeben sich oft aus der Herleitung des gemeinsamen erklärenden Faktors aus den verfügbaren Zeitreihen. Die Auswahl der Zeitreihen, die Aggregationsmethode und die Referenzperiode für die Skalierung beeinflussen das Ergebnis.
Beide sind revisionsanfällig. Beim WAI wirken sich Revisionen der Basisdaten auf den Index aus, und die Methode kann angepasst werden; beim KOF-IHP bindet die Skalierung auf eine BIP-Referenzperiode den Indikator an die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung.
Vergleich der Frühindikatoren KOF-IHP und SECO-WAI
- Herausgebende Institution
- KOF (ETH Zürich)
- Status
- Experimenteller Indikator des SECO
- Frequenz
- Wöchentlich
- Berechnungsgrundlage
- Alternative Daten (Karten, Bargeld, Energie, Verkehr, Mobilität, Suche)
- Methode
- Gemeinsamer erklärender Faktor + Skalierung auf Referenz-BIP
- Interpretation
- Abweichung in % gegenüber derselben Woche des Vorjahres
- Revisionen
- Ja (Basisdaten und Methodik)
Beide Signale gemeinsam lesen: Fallstricke und Best Practices
Erster Reflex: Perioden angleichen und zwischen Niveau und jährlicher Veränderung unterscheiden. Der WAI wird als prozentuale Abweichung gegenüber derselben Woche des Vorjahres gelesen, nicht als Aktivitätsniveau.
Krisenjubiläen trüben diese Lesart. Die jährliche Veränderung ist schwieriger zu interpretieren, wenn der Vergleichszeitraum selbst eine Krisenperiode ist; diese Informationen waren zu Beginn der Krise nützlich, als die Basis des Vorjahres stabil war.
Revisionen im Auge behalten: Die Revisionen der Basisdaten des WAI schlagen auf den Index durch, und methodische Anpassungen sind möglich. Eine Differenz zwischen den beiden Indizes kann ebenso gut einen Methodenunterschied wie einen konjunkturellen Unterschied widerspiegeln.
Um diese Signale in eine offizielle Messgrösse einzuordnen, veröffentlicht das SECO die vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen rund 60 Tage nach Ende des Quartals und das Flash-BIP rund 45 Tage danach.
Publikation der offiziellen Daten des SECO
- 60Vierteljährliche Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung
- 45Experimentelles Flash-BIP
Den Vergleich mit anderen Frühindikatoren des SECO ergänzen
Der WAI ist Teil eines Werkzeugkastens des SECO. Das Schweizer Konjunkturklima ist ein zusammengesetzter Indikator, der ein Gesamtbild der wirtschaftlichen Lage in der Schweiz vermittelt.
Das Konsumklima misst frühzeitig die wirtschaftliche Stimmung der Haushalte. Es wurde von 1972 bis 2023 vierteljährlich erhoben; das SECO kündigt seit 2024 eine monatliche Publikation an.
Die Expertengruppe des Bundes für Konjunkturprognosen aktualisiert ihre Konjunkturprognosen vierteljährlich. Das SECO veröffentlicht zudem Arbeitsmarktdaten: Arbeitslose, Stellensuchende und offene Stellen, nach Region und Sektor.
Diese monatlichen oder vierteljährlichen Tools erhellen die Nachfrage der Haushalte und das Wirtschaftsklima. Sie ergänzen die wöchentliche Lektüre des WAI und des KOF-IHP, ersetzen sie aber nicht.
Ergänzende Indikatoren des SECO
- Schweizer Konjunkturklima
- Monatlicher/vierteljährlicher Composite-Indikator
- Konsumklima
- Frühindikator für die wirtschaftliche Stimmung der Haushalte – seit 2024 monatlich
- Konjunkturprognosen
- Vierteljährlich aktualisiert durch die Expertengruppe des Bundes
- Arbeitsmarkt
- Arbeitslose, Stellensuchende, offene Stellen – nach Region und Sektor


