
Preise und Margen
Preise und Margen in der Schweiz im Blick behalten
Wer das günstigste Geschäft sucht, muss wissen, wo die Preisunterschiede tatsächlich liegen.
Verstehen, was die Preise in der Schweiz wirklich beeinflusst
Wer das günstigste Geschäft sucht, muss wissen, wo die Preisunterschiede tatsächlich liegen. Die von Rappn verbreiteten Vergleiche, die vom K-Tipp regelmässig bestätigt werden, zeigen, dass Grundnahrungsmittel fast überall gleich viel kosten. Milch, Butter, Zucker, Mehl, Brot und Spaghetti werden bei Migros, Coop, Aldi, Lidl und Denner zu nahezu identischen Preisen angeboten. Für diese täglichen Einkäufe reicht das nächstgelegene Geschäft.
Drei Hebel erklären den Grossteil der Unterschiede. Erstens die Budget-Sortimente: M-Budget bei Migros und Prix Garantie bei Coop sind bis zu 50 bis 70 Prozent günstiger als die Standardsortimente desselben Geschäfts. Ein Wechsel des Sortiments innerhalb der gewohnten Kette bringt oft mehr als ein Wechsel der Einkaufsstätte.
Zweitens die wöchentlichen Aktionen mit Rabatten von 20 bis 50 Prozent, die sich vor allem auf bestimmte Abteilungen konzentrieren: Waschmittel, Kaffee, Toilettenpapier, Fleisch. Drittens der Einzelpreis: Zwei Verpackungen desselben Produkts können einen sehr unterschiedlichen Preis pro Kilogramm, Liter oder Stück aufweisen. Die Regalplatzierung macht diese Berechnung nicht offensichtlich.
Diese Aktionen folgen einem Zyklus. Laut Rappn wenden Migros, Coop und Denner seit dem 5. Februar 2026 – und bei Coop bereits seit Januar 2025 – denselben Rhythmus an, von Donnerstag bis Mittwoch. Wer diesen Kalender kennt, kann seine Einkäufe planen, statt sie einfach hinzunehmen.
Zyklus der wöchentlichen Aktionen bei den wichtigsten Schweizer Detailhändlern
- Beginn des Zyklus
- Donnerstag
- Ende des Zyklus
- Mittwoch
- Etablierter Rhythmus seit
- 5. Februar 2026
- Coop: Rhythmus ab Januar 2025
- Ja
Preise vergleichen, ohne sieben Prospekte zu wälzen
Jede Woche veröffentlichen Migros, Coop, Aldi, Lidl, Denner, Otto's und Aligro Hunderte von Aktionsangeboten. Sieben Prospekte durchzublättern, um nützliche Angebote zu finden, ist unrealistisch. Apps und Vergleichsportale fassen diese Kataloge zusammen: Man sucht dort nach einem Produkt und nicht nach einer Marke.
Rappn gehört dazu: Das Tool vergleicht live, kostenlos und ohne Kontoerstellung die Preise der sieben wichtigsten Ketten. Dieser letzte Punkt sollte systematisch überprüft werden, da viele Vergleichsportale eine Registrierung verlangen, die Anzahl der Suchanfragen begrenzen oder bestimmte Angebote einem Abonnement vorbehalten.
Einige Kriterien genügen, um einen Vergleichsdienst auszuwählen. Anzahl der abgedeckten Ketten und deren Relevanz in der eigenen Region; Kostenlosigkeit und keine obligatorische Kontoeinrichtung; Aktualität der Daten, da sich die Aktionspreise jede Woche ändern. Hinzu kommen die abgedeckten Abteilungen, die Anzeige des Einzelpreises, die Verfolgung einer Einkaufsliste und die Transparenz bezüglich der Preisquellen. Ein Vergleichsdienst ist nur so gut wie seine aktuellen und überprüfbaren Daten.
Vorteile und Grenzen der Nutzung von Preisvergleichsportalen
- Vorteile
- Direkter Vergleich zwischen Ketten, kostenlos, kein Konto erforderlich, aktuelle Daten
- Grenzen
- Nicht überprüfbare Daten, fehlender Einzelpreis, Lieferengpässe, nur für Mitglieder verfügbare Preise
Die Margen des Detailhandels entschlüsseln
Die Bruttomarge ist die Differenz zwischen dem Verkaufspreis eines Produkts und seinen Anschaffungskosten, bevor andere Betriebskosten abgezogen werden – Mieten, Löhne, Logistik, Energie. Sie ist nicht mit dem Nettogewinn gleichzusetzen: Ein Detailhändler kann eine hohe Bruttomarge und ein bescheidenes Nettoergebnis aufweisen. Diese Unterscheidung im Kopf zu behalten, verhindert voreilige Schlussfolgerungen beim Lesen der in den Medien verbreiteten Zahlen.
Für die Schweiz kursieren verschiedene Schätzungen. Die Sendung A Bon Entendeur von RTS gibt an, dass verschiedene Bewertungen die durchschnittliche Bruttomarge des Detailhandels bei 25 oder 26 Prozent ansiedeln. Für ihre Untersuchung hat das Team von März bis Ende August Hunderte von Preisen in Supermärkten bei schweizerischem Gemüse, Fleisch und Fisch erhoben.
Sie kommt zum Schluss, dass die Bruttomargen von Coop und Migros manchmal spektakuläre Niveaus erreichen. Die Sendung betont auch, dass die beiden Ketten sich weigern, die Margen, die sie mit Lebensmitteln erzielen, offenzulegen. Ebenso hohe Margen wurden im Bereich der Fisch- und Krustentierzucht beobachtet.
Andere Zahlen, die aus den Berechnungen der NZZ stammen und von der Fédération romande des consommateurs (FRC) übernommen wurden, setzen die durchschnittlichen Bruttomargen der Migros-Genossenschaften bei 31 Prozent an. Diejenigen von Coop liegen bei rund 30 Prozent.
Die Untersuchung von RTS gibt auch Sandra Imsand, Leiterin der Untersuchungen bei der FRC, zu Wort. Sie befragt auch den Walliser Staatsrat Christophe Darbellay, Direktor für Wirtschaft und Landwirtschaft seines Kantons, sowie Tristan Cerf, Sprecher von Migros.
Sie stellt eine grundlegende Frage: Werden die Produzenten mindestens zu den Selbstkosten bezahlt, insbesondere für Schweinefleisch?
Vergleich der Bruttomargen des Detailhandels in der Schweiz
- 31%Migros
- 30%Coop
Wer in der Schweiz Preise und Missbräuche überwacht
Zwei Bundesbehörden greifen ein, mit komplementären Aufgaben. Gemäss ihrer eigenen Dokumentation schützt der Preisüberwacher die Konsumenten und die Wirtschaft vor missbräuchlichen Preisen. Diese Preise resultieren aus einem Mangel an wirksamem Wettbewerb, der aus Wettbewerbsabsprachen zwischen Unternehmen oder der Präsenz mächtiger Marktteilnehmer entstehen kann.
Seine Tätigkeit wird durch das Bundesgesetz vom 20. Dezember 1985 über die Preisüberwachung (PrüG; SR 942.20) geregelt.
Die Wettbewerbskommission (WEKO) bekämpft hingegen Wettbewerbsbeschränkungen, die aus rechtswidrigen Absprachen resultieren. Beide Behörden verfolgen also das gleiche Ziel: einen wirksamen Wettbewerb oder zumindest Preise, die denen entsprechen, die in einer Wettbewerbssituation erzielt würden.
Der Handlungsbereich erstreckt sich auf den Online-Handel: Laut Le Temps führt der Preisüberwacher Untersuchungen zu Missbräuchen auf mehreren Plattformen durch, darunter einige schweizerische.
Wichtigste Instrumente und Behörden zur Preisüberwachung in der Schweiz
- Preisüberwacher
- Bundesbehörde zur Bekämpfung missbräuchlicher Preise
- Wettbewerbskommission (WEKO)
- Bekämpft rechtswidrige Absprachen, die den Wettbewerb behindern
- Anwendbares Gesetz
- Bundesgesetz über die Preisüberwachung (PrüG; SR 942.20)
Preise der Konkurrenten als KMU im Auge behalten
Für ein Unternehmen ist die Preisbeobachtung Teil des strategischen Managements: Anpassung der Preisliste, Erkennen aggressiver Aktionen, Dokumentieren der eigenen Marktposition. Softwareverzeichnisse wie GetApp listen Tools zur Überwachung der Preise von Konkurrenten auf. Dort findet man wettbewerbsanalytische Lösungen auf Basis künstlicher Intelligenz, wie etwa Opinly.ai, das als Quelle für Echtzeitinformationen über Konkurrenten präsentiert wird.
Bevor man investiert, sollte man besser definieren, was man verfolgen will. Einen Warenkorb vergleichbarer Produkte statt eines gesamten Katalogs; eine Erhebungsfrequenz, die dem Branchentempo angepasst ist; die Unterscheidung zwischen ausgeschildertem Preis und Aktionspreis; eine gespeicherte Historie, um Trends zu beobachten.
Die Grenzen sind real. Ein Online-Preis sagt nichts über ausgehandelte Konditionen, Mengenrabatte oder Logistikkosten aus. Eigenmarken und Budgetsortimente sind nicht immer von einer Kette zur anderen vergleichbar. Lieferengpässe und nur für Mitglieder verfügbare Preise verfälschen die Vergleiche.
In der Praxis müssen die Nutzungsbedingungen der konsultierten Websites eingehalten werden. Es ist besser, öffentliche Quellen und offizielle Feeds zu bevorzugen. Anschliessend sollten die externen Daten mit den eigenen Verkaufszahlen abgeglichen werden. Die Preisbeobachtung ist ein Signal zur Entscheidungsfindung, keine Markttruth.
Gute Einkaufs- und Abwägungsroutinen einführen
Einige einfache Gewohnheiten senken die Rechnung oft. Die erste: Beginnen Sie mit den Budgetsortimenten der Kette, in der Sie bereits einkaufen, statt das Geschäft zu wechseln. Dies ist die Massnahme mit dem besten Verhältnis zwischen Aufwand und Ersparnis.
Die zweite: Lagern Sie nicht verderbliche Produkte, die in Aktion gekauft wurden – Waschmittel, Kaffee, Toilettenpapier, einzufrierendes Fleisch. Die Differenz zwischen Normalpreis und Aktionspreis belastet das Monatsbudget stark.
Der systematische Vergleich der Einzelpreise bleibt die zuverlässigste Abwägung: Format und Verpackung variieren, ohne dass der ausgeschilderte Preis dies erahnen lässt. Die Kenntnis des Aktionszyklus – von Donnerstag bis Mittwoch für Migros, Coop und Denner – ermöglicht es, einen Kauf um einige Tage zu verschieben.
Um über den ausgeschilderten Preis hinauszugehen, liefern die Untersuchungen der FRC und der RTS-Sendung A Bon Entendeur nützliche Anhaltspunkte. Sie helfen, sich eine Meinung über die praktizierten Margen zu bilden und den Ketten die richtigen Fragen zu stellen.
Potenzielle Einsparungen je nach Einkaufshebel in der Schweiz
- Sortiment wechseln (z. B. M-Budget / Prix Garantie)Bis zu 70 % Ersparnis
- Einzelpreise vergleichenBeste Abwägung für den Konsumenten



